— CMO Agenda

Brandformance — keine Kampagne, sondern Steuerungsfrage

Warum Unternehmen Marke und Performance Marketing nicht länger getrennt planen sollten

  • Lesedauer ca. 7 min.

Viele Unternehmen können heute sehr genau sagen, welche Anzeige einen Klick, einen Lead oder einen Kauf ausgelöst hat. Schwieriger wird es bei der Frage, was vor diesem letzten Kontakt passiert ist: War die Marke bereits bekannt? Blieb sie im Gedächtnis? Hat sie Vertrauen geschaffen? Hatte sie einen relevanten Einfluss auf die Kaufentscheidung? War sie schon Teil der engeren Auswahl? 

Im deutschsprachigen Mittelstand werden Brand Management und Performance Marketing häufig getrennt organisiert. Markenarbeit wird langfristig aufgebaut, Performance kurzfristig optimiert. Einzelne Maßnahmen können dadurch effizienter werden, ihr Beitrag zum gemeinsamen Geschäftserfolg bleibt aber schwer sichtbar.

Brandformance setzt an dieser Lücke an

Der Ansatz verbindet Markenaufbau und Nachfrageaktivierung in einer gemeinsamen Steuerungslogik. Das kann über mehrere, aufeinander abgestimmte Maßnahmen geschehen, aber auch innerhalb einer einzelnen Kampagne. Ein vertrautes Markenelement oder CI kann beispielsweise die Wirkung einer Performance-Anzeige erhöhen. Umgekehrt können Suchvolumen, Reichweite und Creative Learnings einer Aktivierungskampagne in die Markenarbeit zurückfließen. 

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Branding oder Performance? Sie lautet: Wie können beide Wirkungshorizonte gemeinsam zum Geschäftsziel beitragen?

Unsere Amplio-Perspektive auf Brandformance

Bei Amplio verstehen wir Brandformance als Steuerungsmodell für zwei unterschiedliche Wirkungshorizonte:

Langfristiger Markenaufbau

schafft Bekanntheit, mentale Verfügbarkeit, Vertrauen, Präferenz und relevante Markenassoziationen.

Kurzfristige Nachfrageaktivierung

(als Teil von Performance Marketing) übersetzt vorhandene Nachfrage in qualifizierte Kontakte, Leads, Anfragen, Verkäufe, Pipeline oder Umsatz.

Verbunden werden beide Ebenen durch das Verständnis der Zielgruppe, klare Botschaften, passende digitale Touchpoints, belastbare Daten und funktionierende Prozesse. Sie wirken innerhalb eines vernetzten Systems, in dem sich Markenaufbau und Nachfrageaktivierung gegenseitig verstärken.

Nicht jede Maßnahme muss gleichzeitig Markenaufbau und Conversion leisten. Ein Markenfilm muss nicht wie eine Suchanzeige funktionieren. Eine Landingpage muss nicht die gesamte Markenstrategie erklären. Entscheidend ist, dass die einzelnen Maßnahmen eine klare Aufgabe erfüllen und auf ein gemeinsames Geschäftsziel einzahlen. 

Zwei Wirkungshorizonte, ein Wachstumssystem

Markenaufbau entfaltet seine Wirkung nicht von heute auf morgen. Über Monate und Jahre stärkt er Bekanntheit, mentale Verfügbarkeit, Vertrauen und Präferenz. Menschen erinnern sich eher an eine Marke, berücksichtigen sie häufiger und können das Angebot in einer konkreten Entscheidungssituation leichter einordnen.

Die kurzfristige Nachfrageaktivierung arbeitet mit einem anderen Zeithorizont. Sie nutzt vorhandene Aufmerksamkeit und Nachfrage, um möglichst „schnell“ konkrete Ergebnisse zu erzielen. 

Die Wirkung von Brandformance verläuft in beide Richtungen

Brandformance bedeutet nicht, Markenaufbau und Performance lediglich parallel zu planen. Vielmehr können sich beide Ebenen gegenseitig verstärken.

Bekanntheit und Vertrauen können die Relevanz eines aktivierenden Kontakts erhöhen, Hürden auf der Landingpage senken und die Wahrscheinlichkeit steigern, dass ein Angebot berücksichtigt wird. Ein Search-Uplift über Suchmaschinen, wie bei Google oder durch Marken-Nennungen in KI-Tools, kann beispielsweise zeigen, dass eine Marke durch eine laufende Kampagne stärker in das Bewusstsein der Zielgruppe gerückt ist.

Performance-Kampagnen liefern mehr als kurzfristige Conversions. Sie zeigen, welche Botschaften, Argumente und Formate bei der Zielgruppe funktionieren. Außerdem liefern sie Daten zu Nutzerbedürfnissen, Reichweite und Verhalten. Diese Erkenntnisse können in Markenarbeit, Inhalte, Website, User Experience und Customer Experience zurückfließen.

Eine starke Marke garantiert keine Conversion. Umgekehrt beweist eine Conversion keinen nachhaltigen Markenaufbau. Und Kundenbindung entsteht nicht allein durch Kommunikation, sondern auch durch Produktqualität, Service und User Experience — also die Gesamtleistung des Unternehmens.

Die Aufgabe von Brandformance besteht daher nicht darin, alle Unterschiede einzuebnen. Sie besteht darin, die Unterschiede sichtbar zu machen und sinnvoll miteinander zu verbinden.

„Markenaufbau schafft langfristig Nachfrage und Präferenz. Aktivierung macht kurzfristig aus Nachfrage messbare Geschäftsergebnisse. Brandformance steuert beides in einem gemeinsamen System.“
Jan Hendrik Leifker
— Jan Hendrik Leifker, CEO bei Amplio®

Ein Praxisbeispiel:
S Immobilien GmbH

Bei S-Immobilien wurde die Sparkassen-Marke bewusst als Vertrauensanker in eine Performance-Kampagne eingebunden. Die Marke sollte nicht nur Wiedererkennung schaffen, sondern den aktivierenden Botschaften zusätzliche Glaubwürdigkeit verleihen. Sie hatte dadurch unmittelbaren Einfluss auf die Performance. 

Das Beispiel zeigt: Brandformance muss nicht aus zwei getrennten Kampagnen bestehen. Eine Kampagne kann Aktivierung auslösen und zugleich mit starken Markenelementen Vertrauen und Markenwirkung aufbauen.

Resultat entdecken

KI-generierte Texte: Wann braucht es einen Hinweis?

Auch für automatisiert erstellte Texte gelten Informationspflichten — allerdings nicht pauschal für jeden KI-Text, sondern nur unter bestimmten Voraussetzungen. Für die Marketing-Praxis lässt sich das auf zwei zentrale Leitfragen verdichten: 

  • Informiert der Text die Öffentlichkeit über eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse? 

Gemeint sind gesellschaftlich relevante Themen — etwa Entwicklungen mit größerer Tragweite in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft oder Kultur. Reine Produktbeschreibungen, klassische Werbetexte und unternehmenseigene Kommunikation fallen in der Regel nicht darunter und sind von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen. Wie bei den meisten Vorgaben gilt aber: Ausnahmen bestätigen die Regel — im Zweifel lohnt sich ein zweiter Blick, ob ein Inhalt durch seinen PR-Charakter oder seine redaktionelle Anmutung doch in den Anwendungsbereich rückt.

  • Nur falls Frage 1 mit „Ja“ beantwortet wird, entscheidet ein zweiter Faktor darüber, ob tatsächlich ein Hinweis nötig ist: Wurde der Text vor der Veröffentlichung von einem Menschen inhaltlich geprüft, und hat eine natürliche oder juristische Person die redaktionelle Verantwortung dafür übernommen? 

Wenn ja, entfällt die Kennzeichnungspflicht — genau wie bei einem klassischen Redaktionsprozess, in dem am Ende ein Mensch oder ein Unternehmen für den Inhalt geradesteht. Fehlt diese Prüfung, muss der Text als KI-generiert bzw. KI-manipuliert kenntlich gemacht werden.

Grafische Kennzeichnungen für „AI“, „AI Generated“ und „AI Modified“ auf grauem Hintergrund.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ihr Marketing-Team schreibt einen Blogbeitrag zu einem aktuellen Branchenthema mit KI-Unterstützung. Nehmen wir an, der Beitrag befindet sich im Anwendungsbereich der Kennzeichnungspflicht, weil er die Öffentlichkeit über eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse informiert. Der Text wird von jemandem aus dem Team inhaltlich geprüft, fachlich eingeordnet und freigegeben, bevor er auf der Website veröffentlicht wird — die Kennzeichnungspflicht greift deshalb nicht mehr, weil ein Mensch die redaktionelle Verantwortung übernimmt.

Direkt im Anschluss löst ein automatisierter Workflow ein LinkedIn-Posting aus: Die KI fasst den Blogbeitrag eigenständig zusammen und veröffentlicht den Post, ohne dass ihn vorher noch einmal jemand liest. Genau hier ändert sich die rechtliche Bewertung — denn es entsteht ein neuer, eigenständiger Text, der die Öffentlichkeit über dasselbe Thema informiert, aber ohne menschliche Prüfung veröffentlicht wurde. Dieser Post müsste als KI-generiert gekennzeichnet werden, auch wenn der ursprüngliche Blogbeitrag es nicht musste.

Der entscheidende Unterschied liegt also nicht im Einsatz von KI an sich, sondern darin, ob ein Mensch den jeweiligen Inhalt vor der Veröffentlichung tatsächlich prüft und dafür geradesteht — und diese Prüfung muss für jede einzelne Veröffentlichung neu erfolgen, auch wenn sie auf demselben Ausgangstext basiert.

Was Sie jetzt konkret tun sollten

1. Rolle klären

Prüfen Sie, ob Sie für die jeweilige KI-Anwendung Anbieter, Betreiber oder beides sind — davon hängt ab, welche der Pflichten Sie konkret treffen.

2. Touchpoints & Use-Cases identifizieren

Verschaffen Sie sich einen Überblick, wo in Ihrer Kundenkommunikation KI zum Einsatz kommt — Chatbots, Voice-KI, KI-generierte Bilder oder Videos sowie Texte in Newsletter, Blog und Social Media.

3. Kennzeichnung direkt am Content verankern

Sorgen Sie dafür, dass Hinweise auf KI-Interaktionen und Deepfakes klar sichtbar und direkt am jeweiligen Inhalt platziert sind — nicht nur in AGB, Datenschutzerklärung oder Impressum versteckt.

4. Freigabeprozess für KI-Texte etablieren

Legen Sie fest, wer KI-generierte Texte vor der Veröffentlichung inhaltlich prüft und die redaktionelle Verantwortung dafür übernimmt. Dokumentieren Sie diese Freigabe nachvollziehbar — das ist im Streit- oder Prüffall der Nachweis für die Ausnahme von der Kennzeichnungspflicht.

5. Verantwortlichkeiten festschreiben

Bestimmen Sie, wer im Team dauerhaft sicherstellt, dass neue KI-Anwendungsfälle auf die Kennzeichnungspflichten hin geprüft werden.

Sie möchten wissen, wo Ihr Unternehmen bei der praktischen Umsetzung steht?

Jetzt Kontakt aufnehmen

Wir unterstützen Sie dabei, Ihre KI-gestützten Marketing- und Vertriebsprozesse aufzustellen — von Chatbots über Content-Workflows bis zur technischen Kennzeichnung. Die rechtliche Bewertung im Einzelfall sollten Sie zusätzlich mit einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt klären.

Jan Hendrik Leifker

Jan Hendrik Leifker

CEO (Growth)

Meeting vereinbaren

Weitere Beiträge